Super Team

Mi  28 III 2012   Baarburg   11:30

Schönes, warmes Frühlingswetter. Die ersten Sträucher im Unterholz öffnen ihre Blätter.

17  2024

Vom Familienpicknick am letzten Sonntag her liegt etwas Papier & eine weisse Kaffeetasse aus Plastik um den Unterstand herum.
Vielfältiger Vogelgesang.

Ein Mitarbeiter der Korporation Baar setzt in einem der Holzschlaggebiete junge Bäume.

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So  1 IV 2012   Baarburg    11:45

Die Sonne drückt durch Schleierwolken, es ist aber noch recht kühl. Entlang der Westkante ist die Bise so stark, dass ich die Wollmütze aufsetze.
Recht nah zetert laut ein Vogel. Mit etwas Geduld entdecke ich ihn wenige Meter entfernt. Gut taubengross. Ein Mittelspecht. Wie ich ihn entdecke, fliegt er auf & verzieht sich zeternd ins Plateauinnere.
Bis im Herbst möchte ich mit dem Baarburg-Protokoll ins Internet. Ich habe mir schon seit einigen Jahren die Website Baarburg.ch gesichert. Das „Tagebuch dieses Orts“ soll von jedermann oder -frau ergänzt werden können. Beobachtungen oder Fantasien anderer sollen das Bild der Baarburg reicher & detaillierter machen. Ob das allerdings gross genutzt werden wird? Wohl kaum.

18  2025

Kurz vor dem Waldausgang kommen mir drei Paare entgegen. Jedes für sich & nur gerade zufällig wie eine auseinandergezogene Gruppe von Leuten.


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So  22 IV 2012   Baarburg    12:00


Regenpause. Von Westen kommt eine Regenfront nach der anderen. Aber jetzt scheint die Sonne (und es bleibt dabei, wenn sich auch etwas später eine dunkelgraue Wolke dicht neben dem Plateau vorbeischieben wird).
Seit 14 Tagen ist es nun kalt & regnerisch. Während unseren Ferien in Cahors & in der Dordogne hat die Vegetation kaum Fortschritte gemacht. Aber im Unterholz öffnen sich nun die ersten Buchenblätter. Bei der Meditationslinde schlagen die jungen Triebe am Sockel des Baums eben aus.
Wie ich gegen die Sündkante komme, höre & spüre ich vom Unterstand hier einen pulisierenden Technobeat. Im Unterholz liegt ein Generator, der aber nicht läuft. Die Musik kommt von einem roten Auto her, das eben geladen wird. Beim Unterstand zwei Tische, Stösse von Softdrinks in grossen Flaschen. An einer Buch lehnt eine Metallleiter. In der feuchten Erde viele Sohlenspuren. - Ausgerechnet gestern Nacht, als es zum Teil heftig stürmte & regnete, eine Freilichtparty zu veranstalten, ist schon etwas Pech.

19   2026

Im Iglu hat es ein grosses Loch. Könnte der Eingang zu einem Tierbau sein. Für eine Maus ist es zu gross, für einen Fuchs zu klein. Könnte ein Marder sein. Auf der Oberfläche des Iglus haben sich einige Pflanzenschösslinge geöffnet.
Bei der Heimfahrt muss ich auf der Kantonsstrasse, die am Sockel der Baarburg entlang führt, vor einem Rotlicht halten. Stützmauern werden gebaut gegen den Hangdruck, der die Erde hier ins Rutschen bringen könnte.

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Do  26 IV 2012   Baarburg   10:15

Strahlender Föhntag, leuchtendes Frühlingsgrün. An einigen wenigen Buchen haben sich die Blätter eben geöffnet.

Ein mir unbekannter klagender Vogelruf macht mich auf ihn aufmerksam: Zum ersten Mal sehe ich den Falken, den der Korporationsförster letzthin bei einem zufälligen Treffen erwähnt hat, von oben kreisen & verschwinden. Etwas später sehe ich ihn über mir. Eigenartig, dass er mir bis anhin nie aufgefallen ist.

20   2025

Die Party vom letzten Wochenende ist sauber aufgeräumt. Von den Fussspuren her müssen es etwa 50 bis 100 Leute gewesen sein. Diejenigen, die ich beim Aufräumen gesehen habe, sind die Aufräumer & Zusammenpacker gewesen. Das Innere des Unterstands ist mit zweifarbigen Ornamenten, Zeichnungen, Namen & Botschaften verziert Das von einer früheren Party hinterlassene Borkenstück mit einem darauf gemalten farbigen Pilz ist an einen Eckbalken des Unterstands genagelt. Daneben lehnt ein straff gespannter Holzbogen, der auch ein einfaches Bassinstrument sein könnte. Die Sitzfläche der Bank ist an einer Stelle angekohlt, an einer anderen angesengt. Aber es liegen keinerlei Papier -oder Plasticabfälle herum. Und der Rand der Sitzbank ist schon so verwittert, dass das Brett wohl sowieso bald hätte erneuert werden müssen.

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So  29 IV 2012   Baarburg   11:15

Gestern Nacht wütete ein Föhnsturm, der noch nicht ganz abgeklungen ist. Die Strasse entlang der Südflanke der Baarburg ist gesperrt. Ich kann bis zum Parkplatz fahren, aber weiter unten im Wald sind wohl Bäume auf die Strasse gerissen worden. Die Trägerbalken der grossen Infotafel zur Deponie-Sanierung sind knapp über dem Boden weggeknickt. Am Waldrand oberhalb des Waldeingangs hat der Wind drei Bäume umgerissen. Noch immer tost der Wind so durch die Bäume, dass jedes andere Geräusch übertönt wird.
Mit etwas Bedenken wage ich den Umgang trotz dem Föhn. Ich will auf der windabgewandten Nordseite hoch bis zum Plateau & dort schauen, wie es aussieht.
Wie ich oben ankomme, hat der Wind etwas nachgelassen. Ich wage es & werde, sobald es Zweige von den Bäumen reisst, zum nächsten Windschatten flüchten. Aber nur an der Südkante reisst der Wind etwas an den Bäumen, sonst bleibt es recht ruhig. Der Sturm hat überall Zweige & Äste heruntergerissen. An einer Stelle hat es sogar die Fichtennadeln von den Zweigen gerupft. Es ist etwa 24 Grad warm.
Bei der Espe hat der Wind einige blühende Zweige heruntergerisssen.

21   2028

Ein zusammengeklappter Blechtisch lehnt mit der Tischfläche gegen die Hinterwand des Unterstands. Auf der weissen Tischfläche ist mit schwarzem Filzstift geschrieben

Feldschlösschen         4 Fr.
Bauer                         3.50 Fr.
Red Bull                      2.- Fr.
Ice Tea                        2.- Fr.
Blasen                         3

Die Schrift ist zum Teil von weissem Kerzenwachs verdeckt & kaum leserlich.

Wie ich zurück zum Auto komme, ist die Strassensperre aufgehoben.


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So  6 V 2012   Baarburg   11:30


Es hat die ganze Nacht geregnet & der Wald ist tropfnass.
Bald beginnt es wieder zu regnen, so dass ich die Kapuze hochschlage.

Die letzten Bäume öffnen ihre Blätter, selbst die Meditationseiche, deren Knospen sich andere Jahre erst Wochen nach denjenigen der Buchen öffneten.

22   2029

Am schönsten sind wie immer die Buchen. Das leuchtende Grün im Regenwald. Gegen Schluss des Umgangs lasse ich den leichten Regen auf meinen Kopf fallen. Weiches Nass. Dazu der dunkelfeuchte Erdgeruch.

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Auffahrt  17 V 2012   Baarburg   9:30

In der Nacht herrschte Bodenfrost bis ins Mittelland herunter. Jetzt scheint die Sonne, ist aber kühl mit einer kräftigen Bise.

Beim Fenster im Unterstand sind beide Holzläden samt Scharnieren weggerissen & wahrscheinlich verbrannt worden. Der an die Aussenwand gelehnte Blechtisch ist verschwunden.

23   2030

Wie ich das Wellblechdach genauer inspiziere (es ist nur schwierig sichtbar) sehe ich, dass auf dem Dach mehrere kleine Bäume wachsen. Fichten & Buchen. Der Unterstand hat also bald eine Sanierung nötig. Hoffentlich reissen sie ihn nicht ab, samt dem Pfosten mit meinen 2030+ Strichen.

Ich gehe zum ersten Mal seit etwa zwei Jahren wieder mal am Sockel bei der kleinen Wallfahrtskirche Walterswil vorbei. Auf dem Weg dahin komme ich an einigen schönen Ameisenhaufen vorbei. Die Kirche ist von neuen Schulgebäuden eng umkreist. Der Zugang vom Wanderweg ist gesperrt. Die Türen sind verschlossen. Nichts mit Meditieren und Kerzenspenden, wie ich das früher hier ab & zu tat.

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So  20 V 2012   Baarburg   mit Irena   11:45

Sommerlich warm durch Föhn. Im Wald reicher Vogelgesang.
Beim Unterstand ist eine Familie um einen kleinen Grill gruppiert. Ein Mädchen liegt in einer blauen Hängematte & liest in einem Globi-Buch. Ihr Bruder sitzt neben der Sitzbank auf einem kleinen Faltstuhl & liest ebenfalls ein Globi-Buch.
Der Vater betätigt den Blasbalg für den Grill. (I)

24   2031

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Pfingstmontag  28 V 2012   Baarburg   12:00

Auf dem Plateau findet ein Pfingstlager statt.
Beim Unterstand ist aber niemand, das Lager befindet sich im Plateauinneren. Nicht weit von meinem Iglu. Das Brombeergestrüpp ist nach dem kalten Winter noch nicht gross gewachsen, so dass es kein ernstes Hindernis ist.

25   2032

Vom Unterstand her hört man quer über das Plateau Stimmen. Chorgesang oder einzelne Schreihälse.
Aber obwohl ein frischer Trampelpfad durch die Dornen direkt am Iglu vorbei führt, ist dieses absolut unberührt!
Die Pfadfinder sind eben am Aufbrechen. Sie hinterlassen eine Feuergrube von einem knappen Quadratmeter mit etwa 20 cm Tiefe. In der Nähe ein zugeschütteter Graben. Wohl eine Fäkalgrube. - Alles Sauber aufgeräumt.

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Mi  30 V 2012   Baarburg   11:30

Ein heisser Sommertag. Auf dem Plateau wird um die frisch gesetzten Bäumchen herum das Brombeergestrüpp gemäht.

26   2033

Der Holunder beginnt zu blühen. Ich schneide einige duftend blühende Dolden ab; Irena wird damit Holunderblütensirup machen.


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So  10 VI 2012   Baarburg    11:30


Der Wald ist nass vom Regen der letzten Nacht. Die heftigen Regenfälle, die in der Nähe der Baarburg zu Überschwemmungen geführt haben, haben beim Steilaufstieg einen Nagelfluhbrocken von einem halben Kubikmeter gelöst & auf den Pfad krachen lassen.

27   2034

Reicher Vogelgesang. Den Gesang des Buchfink kenne ich nun, seitdem ich letzthin einen hier oben singen gesehen habe.


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Do  14 VI 2012   Baarburg   10:15

Die Sonne scheint, aber der Wald ist noch feucht & kühl vom Regen der letzten Tage.
Nahe beim Unterstand schreckt wenige Meter von mir entfernt ein Reh auf & verschwindet mit grossen Sprüngen im Unterholz.

28   2035

Am Waldstrassenrand finde ich einen roten Bleistift, der wohl schon eine zeitlang dort liegt, denn die Farbe blättert an den Kanten & der Spitz ist voller getrocknetem Schneckenschleim. Die Aufschrift einer mir unbekannten Marke lässt mich vermuten, dass der Stift von einem Ortsfremden verloren wurde.

Q-CONNECT ® HB KF 26072

Anschliessendes googeln zeigt, dass Q-CONNECT eine internationale Büroartikelfirma ist, die sich folgendermassen darstellt:

Europe's brand of choice of quality office products. Every day millions of people use office products to help them with their daily needs to get their jobs done in a fast and efficient way.

Gemäss Vertriebsliste führen zwei Papeterien unten in der Ebene Q-CONNECT-Produkte.

Auf dem Rückweg begegne ich einem Mann mit Hund, den ich schon oft über Mittag hier angetroffen habe.


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So   17 VI 2012   Baarburg   10:45

Am Sockel kommt mir auf der Waldstrasse eine Gruppe von jüngeren Leuten mit geschulterten Schlafsäcken & einer Zeltplache entgegen.
Auf dem Plateau angekommen, höre ich von der anderen Seite her einen Bass pulsieren.
Wie ich zum Unterstand komme, ist der Bass bereits weggeräumt in einer der beiden in der Nähe stehenden Komibiwagen mit deutschen Nummernschildern. Einige Leute stehen herum & einer in meiner Nähe, den ich begrüsse, grüsst in Mundart zurück.
Ich gehe vorbei & zum Zentrum, anschliessend dann nochmals zum Unterstand, wo jetzt niemand mehr ist. Alles ist penibel sauber bis auf das letzte Papierchen aufgeräumt.

29   2036

Ich bin in einem Dilemma. Einersteits stört es mich, dass die Baarburg nun zunehmend an „meinem“ Sonntagmorgen besetzt ist. Oder dass - wie bei der letzten Goa-Party - der Unterstand beschädigt wird.
Andererseits würde ich selbst am liebsten auch eine Nacht hier oben durchtanzen, beflügelt von Psilocybin oder LSD.
Die Waldstrassenborde sind üppig & vielfältig strotzig grün bewachsen.
Wieder liegt ein Bleistift auf der Waldstrasse. An einem ganz anderen Ort. Diesmal ist es ein schwarzgelber

STAEDTLER Noris school pencil  HB

Am Rand der sich in Sanierung befindenden ehemaligen Abfalldeponie ist an einen Grabenrand eine halbmeterdicke Schicht Unrat aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts freigelegt. Viel Plastik, vor allem blau & weiss.


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Sa   23 VI 2012   Baarburg   11:30

Warmer Sommertag.
Ich fühle mich wie in Watte verpackt, weil ich seit gestern die Dosis meiner Antidepressiva erhöhen muss.
Der Westkante entlang gehe ich durch Wolken meines Lieblingsdufts: Lindenblüten.
Zum ersten Mal sehe ich, dass die Form aus Ästen & Zweigen über der Westkante, die über das letzte Jahr langsam entstanden ist nach Holzarbeiten dort, wie ein skizziertes Iglu aussieht.

30   2037

Wieder schreckt nur wenige Meter von mir entfernt ein einzelnes Reh auf & verschwindet im Unterholz.
Zum dritten Mal innert kurzer Zeit finde ich einen Bleistift auf der Waldstrasse. Diesmal ist es wieder ein

STAEDTLER  Noris school pencil  HB


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So  8 VII 2012    Baarburg    10:45

Auf dem Hinweg hat es noch geregnet, beim Aufstieg scheint die Sonne. Das Unterholz ist so nass , dass ich bald bis auf die Haut durchnässt bin.
Vor der hohen Felswand am nordwestlichen Rand des Plateaus machen zwei Falken lautstark auf sich aufmerksam. Könige der Lüfte.
Die Iglu-Skizze ist mir auf dem letzten Umgang zum ersten Mal aufgefallen & jetzt bin ich schon daran, die Struktur in diese Richtung zu ergänzen. Es ist eine stark gefährdete Struktur, befindet sie sich doch nur etwa 50 Meter von einer Feuerstelle entfernt.

31   2038

Um den Unterstand herum ist der Zugang zum Plateurand mit einem rotweissen Plastic-Band abgeschirmt. Die Aufschrift lautet

ACHTUNG HOLZSCHLAG
ATTENTION COUP DE BOIS
ATTENZIONE TAGLIO ALBERI

DURCHGANG VERBOTEN
PASSAGE INTERDIT
PASSAGIO VIETATO

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So  15 VII 2012   Baarburg   mit Irena   11:00

Auf dem Hinweg hat es zum Teil heftig geregnet. Jetzt tropft es noch etwas von den Bäumen, das Unterholz ist nass, aber zunehmend drückt die Sonne durch.
Beim filigranen Iglu hat ein Tier ein Loch gegraben und die ganze Struktur etwas zusammengedrückt.
Das kleine Stück Moos auf der Lindenrinde, dessen sehr langsames Wachsen ich seit etwa drei Jahren beobachte, ist verschwunden. Wohl von einem Eichhörnchen beim Aufstieg zur Baumkrone weggerissen. Das habe ich schon lange befürchtet.

32   2029    i 289

Die rotweisse Abschrankung beim Unterstand ist immer noch montiert. Holzschlag hat in dieser Zeit keiner stattgefunden. Es könnte auch eine Vorsichtsmassnahme sein, damit hier niemand den steilen Abhang hinunterrutscht. Etwa weil eine Gruppe von Kindern sich beim Unterstand aufhielt.
Irena findet einzelne Exemplare von vier verschiedenen Röhrlingen, darunter zwei schöne Steinpilze. Dazu zum ersten Mal in den 26 Jahren, seit ich regelmässig hier oben bin, einige Eierschwämme.


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Mi  18 VII 2012   Baarburg   14:30

Nach dem letzten Arbeitsmorgen vor meiner Pension. Ich habe mein Büro geräumt. Ende August werde ich dann noch im Parlament verabschiedet.
Am Sonntag fahre ich mit dem Auto nach Polen, werde mir für die Fahrt aber drei Tage Zeit geben.
Es ist ein heisser Sommertag. Selbst im Wald ist es nicht mehr kühl.
Über der Westwand liegen die weissbraunen Federn eines gerupften Vogels auf dem Boden. Keinerlei Reste des Körpers, nur die Federn. Was könnte das gewesen sein? Ein junger Bussard oder Wanderfalke? Sonst fällt mir kein weissbrauner Vogel ein.

33   2040

Der Plateaurand um den Unterstand ist noch immer mit dem rotweissen Plasticband abgeschirmt.

Ich denke an Ursula Mätzener, eine der Leserinnen des Baarburg-Protokolls, die vor zehn Tagen überraschend gestorben ist. Sie hat mir letztes Jahr den „Versuch einen Platz in Paris zu erfassen“ von Georges Perec geschenkt & damit auf meine Notizen zur Baarburg angespielt, was mir etwas den Rücken gestärkt hat.
Vom Zentrum her höre ich einen Lastwagen aufs Plateau fahren & sehe  dann, wie in der Nähe des Unterstands mit einem Greifarm Holzstämme geladen werden.

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Mo  13 VIII 2012    Baarburg   11:30

Es ist schwül & es weht ein leichter Nordwestwind. Nach dem Aufstieg bin ich schweissgebadet, da ich noch unter den Nachwirkungen einer heftigen Sommergrippe von letzter Woche leide. Leichtes Fieber, Schnupfenkopf & kein Geschmackssinn. Ich rieche auch kaum etwas & es ist mir leicht übel.

34   2041

Entsprechend stumpf nehme ich heute die Baarburg wahr. & wenn ich etwas wahr-nehme, so eher Negatives und Schmerzhaftes.
Das frisch gefräste Waldstrassenbord.
Das Fragment eines Tickets des Verkehrsverbands Zug für eine einfache ermässigte Fahrt 2. Klasse vom 31.07.12.


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So  19 VIII 2012   Baarburg   12:00

Ein heisser Sommertag. Auftakt zu einer medial breit erwarteten Hitzewelle mit Tempera-turen gegen 40 Grad. Immer noch erkältet. Alles geruch- & geschmacklos. Kopfweh. Depressiv.
Vor der Lindenbaummeditation entdecke ich eine Zecke über meinen Handrücken krabbeln.

35   2042

Da Irena mich auf dem Heimweg von Meilen her beim Schützenhaus am Sockel der Baar-burg abholt, gehe ich wieder mal durch ein Waldstück, durch das seit langem kein erkennbarer Pfad mehr führt, & entdecke sieben schöne Ameisenhaufen.


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Di  28 VIII 2012   Baarburg   11:00

Ein heisser Sommertag.
Es geht mir immer noch nicht sehr gut. Meine Baarburg-Besuche kommen mir in dieser Stimmung weniger wie ein Freiraum, sondern wie ein enges Korsett vor.

36  2043

Bei der Sanierung der Deponie werden von zwei Baggern Erdmassen verschoben & aufgehäuft.


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So  9 IX 2012   Baarburg   12:00

Ein heisser Spätsommersonntag. Auf dem Plateau leichter Wind aus wechselnden Richtungen.

37   2044

Ich gehe heute wieder zum Schützenstand hinunter, der am Stadtrand am unteren Saum des Baarburgsockels liegt. Komme an den schönen Ameisenhaufen vorbei.
Unten am Rand eines christlichen Stationenwegs kühle ich mein Gesicht beim einzigen übriggebliebenen Brunnen mit Baarburgwasser.


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So  16 IX 2012   Baarburg   11:15


Nach einer schlaflosen Nacht bin ich müde & dünnhäutig. Es ist kühl, der Hochnebel löst sich langsam auf.
Die Zugangsstrasse zum Wald ist für Fussgänger mit einer Schranke gesperrt. Ein neuer Strassenkoffer aus halbgrossen Steinen ist ca. 60 Zentimeter tiefer als die bisherige Strasse angelegt. Ausser zwei Bikern begegne ich vorläufig niemandem.

38   2045

Auf der Bank im Unterstand stehen zwei zerknautschte leere Bierbüchsen.
Dem Sockel entlang begegne ich dann noch einem Paar in mittlerem Alter, sie mit zwei metallenen Wanderstöcken, er mit einem, überlangen.


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So  23 IX 2012   Baarburg mit Irena   11:00

Nebel. Warmfeucht. Der Föhn drückt & manchmal scheint die Sonne.
Irena findet recht viele Totentrompeten. Auch sonst sehen wir viele schöne Pilze, aber eher nicht essbare.

39    2046     i 6/290



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So  30 IX 2012   Baarburg   mit Irena    11:45

Auf Wunsch von Irena gehen wir ausnahmsweise die Waldstrasse hoch, da der Boden querwaldein nach den Regen der letzten Woche lehmig ist.

40   2047      i 7  290

Irena findet Totentrompeten. Noch mehr als letzte Woche. Die getrockneten Pilze werden in viele gute Mahlzeiten einen feinen Waldgeschmack bringen.


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So  14 X 2012   Baarburg   11:30

Es ist kühl & feucht vom starken Regen der letzte Woche. Auf einer der Zufahrtsstrassen, etwa  drei Kilometer von der Baarburg entfernt, ist ein Hang bis zum Strassenrand heran gerutscht.
Ein seit einigen Monaten oberhalb der Sockelstrasse rutschender Hang ist etwas nachgerutscht, hat aber knapp an der Strasse Halt gemacht.
Dort wo der Boden einer kleinen Lichtung von meinem regelmässigen Gehen einer Spirale flach geworden ist, hat ein Tier zwei kleine Mulden aufgescharrt. Wohl auf Nahrungssuche.

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Ich denke etwas bange der sich nähernden Baarburg-Internet-Zukunft entgegen.

Ein Mann kommt zum Unterstand, setzt sich auf einer der beiden frei stehenden Bänke & schaut durch einen grossen Feldstecher gegen Zuger- & Rossberg & dahinter die blassen Alpen.


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So  21 X 2012   Baarburg   11:45

Ein sonnig warmer Föhntag.
Wie ich meine Spirale abgeschritten habe, kommt ein hellbrauner freundlicher Hund im Unterholz in die Nähe, beachtet mich aber erst, wie ich mich räuspere. Er kommt lautlos zum mir, beschnuppert mich & kehr zu seinem Begleiter zurück,der wenige Meter an mir vorbei geht, ohne mich zu beachten.

42   2049

Wie ich vor dem Unterstand sitze,kommt ein Insekt, das einer Honigbiene ähnelt, aber etwas flacher und vielleicht grösser ist, hinzu. Es setzt sich auf meine Manchesterhose und untersucht den Stoff eingehen mit seinem schwarzen Rüssel. Dann geht die Untersuchung an meinem Lederrucksack weiter, später wird sogar noch der schwarze Hartplastik des Fotoapparats untersucht.

Als erstes sind auch dieses Jahr wieder die Espenblätter gefallen, die meisten noch grün. Jetzt sind es die Ahornblätter, leuchtend gelb.


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Mi  24 X 2012   Baarburg   10:00

Tief liegender Hochnebel. Es ist kühl & feucht.

Ein ganz besonderer Umgang mit Silvan Meier, Redaktor der Neuen Zuger Zeitung, der einen Artikel über meine Baarburgbesuche schreiben will. Da der der Zugang zum Wald vom Baarburgrank aus, den ich sonst immer gehe, im Moment an Werktagen wegen der dort stattfindenden Deponiesanierung gesperrt ist, treffen wir uns weiter unten und gehen von der Baarerseite her auf der Waldstrasse hinauf zum Plateau. Das erste Stück begleitet uns der Fotograf Stefan Kaiser, der einige Bilder von mir bei einem Wanderweg-Wegweiser macht.
Silvan Meier stellt Fragen & ich gebe auch von mir aus Auskunft, wie ich dazu gekommen bin, diesen Ort so oft und so regelmässig über einen so langen Zeitraum hinweg aufzusuchen. Ich erläutere, weshalb mich die Baarburg fasziniert, erzähle von besonderen Begegnungen mit Mensch & Tier, dem Hinterlassen von Spuren und dem Beobachten des stetigen Wandels in diesem Stück Natur. Wir gehen auch an den Meditationsbäumen & einigen Strukturen vorbei. Zufällig ist heute mein 2050. Baarburg-Umgang - eine runde Zahl.

43   2050

Silvan Meier ist in Baar aufgewachsen und kennt die Baarburg seit seiner Kindheit. Er erzählt, dass früher alle Schulklassen mal das Erdmannliloch besucht haben und er ein Stück weit in die enge Höhle hineingekrochen ist. Manchmal kommt er auch jetzt noch auf Spaziergängen mit seinem Vater hierher.


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Mi  31 X 2012   Baarburg   11:30

Die Baarburg steckt im dichten Nebel.

Der frühe Schnee, der im Mittelland viele Bäume umgedrückt & Äste abgebrochen hat, hat hier nur wenig Schaden angerichtet. Einige belaubte Zweige & viele noch grüne Blätter liegen auf der nassen Schneedecke. Das Unterholz ist zum Teil stark niedergedrückt.

Auch die Meditationslinde hat ihre Blätter weitgehend verloren. An der daneben stehenden Eiche sind die Blätter noch grün.

Auf der Hinfahrt ist in den Radionachrichten von einer neuen von Zecken verbreiteten Krankheit berichtet worden, die hohes Fieber verursacht. Aber heute bei Schnee & Eis muss ich mich nicht vor Zeckenbissen fürchten.

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Eine schmale Eiche neben der Waldstrasse oberhalb des Unterstands ist umgedrückt worden. Eichen sind bei frühem Schnee besonders gefährdet, weil sie das Laub am längsten behalten.

Im Zentrum des Plateaus hat es auffällig viele Tierspuren im Schnee. Die Spuren sind stark verwittert von der Sonne gestern, man kann aber noch Rehe, Füchse und eventuell Dachse unterscheiden. Dass sich die Spuren auf die Waldmitte konzentrieren, könnte damit zusammenhängen, dass es einer der Orte auf dem Plateau ist, der sich am weitesten von der Waldstrasse entfernt befindet.


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Mi  7 XI 2012   Baarburg  mit Peter Hauser    10:45

Es ist kühl & feucht,regnet aber nicht.

Peter fotografiert Sternmoos mit einem Eibenschössling. Er findet einen Papiersack voll Totentrompeten.

Die klaren Linien meiner „Strukturen“ werden durch das frisch gefallene Herbstlaub verwischt.

Peter fallen neben dem Waldpfad einige mit einem Messer geköpfte Lamellenpilze auf. Die umgedrehten Pilzhüte liegen neben dem Stiel.

45   2052      p 68

Peter macht mich aufmerksam auf einen schön gemusterten Buchenstamm in der Nähe des Unterstands.

Für jedes Lebensjahr einen Umgang ... Pilze, Blätter, Sternmoos. (p)

Der Fotograf Peter Hauser begleitet mich hin & wieder auf die Baarburg. Er hat eine Foto-Website, wo er jeden Tag eine Tagesfoto ins Netz stellt. Morgen wird es ein Baarburg-Bild sein.
(www.tagesfoto.ch)

Wie wir eine Zeitlang vor dem Unterstand sitzen, beginnt die Sonne durch die Wolkenschleier zu drücken.

Peter hat mir von der südlichsten Spitze Griechenlands einige kleine Steine mitgebracht. Zwei kleine weisse lege ich zum weissen Kern des Iglus, einer über viele Jahre gewachsene Struktur im Zentrums des Plateaus.


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Mi  13 XI 2012   Baarburg   11:45

Der Wald ist sehr nass vom heftigen Regen letztes Wochenende. Dazu tropft es aus dem Nebel.

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Der Nebel scheint auch die Geräusche zu schlucken. Am lautesten sind die Tropfen, die von den Bäumen fallen. Vögel hört man kaum & sogar der Verkehr tönt gedämpft vom Sockel herauf.

Eine neue Schneise führt weg von der steilen Zufahrtsstrasse zu einem alten Hohlweg, den ich erst vor einigen Wintern entdeckt habe. Vermutlich ist es der alte Zugang zum Berg, der durch die Waldstrasse, die einen anderen Verlauf hat, ersetzt worden ist. Nun sind einige Fichten entlang des Hohlwegs gefällt. Die Stämme füllen den einstigen Hohlweg auf & die Ränder sind vom Traktor niedergedrückt. So wird gedankenlos ein altes Kulturdenkmal getilgt.


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Sa  17 XI 2012   Baarburg   9:45

Dichter Nebel, der an den Baumkronen kondensiert & auf den Boden tropft.

Es ist still bis auf das leise Branden des Verkehrs unten im Tal & ab & zu hoch oben ein Flugzeug auf dem Weg nach Süden, das Tropfen von den Bäumen.

47   2054

Ich sehe auf dem ganzen Umgang keinen Menschen, einen Schwarzspecht, eine Meise.


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Mi  21 XI 2012   Baarburg  11:30

Das Plateau steckt in einer tief liegenden Hochnebeldecke. Es tropft heftig von den Bäumen.

48   2055

Ich ergänze diverse Strukturen mit herumliegenden Zweigen & Blattrispen. Im Moment sind die Grenzen zwischen Zufall & Gestaltung durch das frisch gefallene Herbstlaub verwischt. Einige der Strukturen erhalten so eine Art Patina.

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Wieder machen sich nur wenige Vögel bemerkbar. Einmal bin ich aber mitten in einem kleinen Meisenschwarm, der in den Bäumen um mich herum flattert & zwitschert.

Im Iglu hat wieder mal ein Tier ein Loch gegraben. Von der Grösse her könnte es eine grosse Maus sein.

Mo  3 XII 2012   Baarburg   10:15

Sonne, 20 cm Schnee & Eis.
Bald ziehen aber die ersten Wolkenschleider einer Regenfront auf, die auf heute Nachmittag vorausgesagt ist.

49   2056

Es hat kaum Tierspuren. Ein Fuchs ist eine Wegstrecke auf „meinem“ Randpfad gegangen. Zwei Rehe haben die Waldstrasse gequert.
Der Schnee von gestern hat nochmals einige grosse Äste von zwei bis fünf Metern Länge heruntergerissen, vor allem Buchen.
Lärchennadeln zeichnen ein gelbbraunes Muster auf den Schnee.


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Do  13 XII 2012   Baarburg  10:15

Auf dem Hinweg Nebel, aber auf der Baarburg Sonne. Es ist kalt, minus 5 Grad.

Eine einzelne Fussspur führt von der Waldstrasse weg zum Plateaurand & dort ist neu ein Streifen mit farbig flatternden tibetanischen Gebetsfahnen an zwei Buchenstämmen befestigt.

50   2057

Einige hundert Meter ist ein Reh auf dem im Moment im Schnee kaum sichtbaren Plateaurandpfad gegangen, mit gelegentlichen Abstechern an den Rand des Steilhangs, als hätte es dort an einer Eibe Nadeln abgefressen. (Gemäss Wikipedia ist es durchaus möglich, dass die giftigen Eibennadeln den Rehen als Winterfutter dienen. Es heisst dort nämlich:
Unempfindlich gegenüber den Giften der Eiben und deshalb Verursacher von Schäden durch Wildverbiss sind Hasen, Rehe und Rothirsche.)


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Do  20 XII 2012   Baarburg   10:30


Die dünne Schneeschicht, die den Regentagen getrotzt hat, ist noch harsch gefroren vom Nachtfrost. Jetzt ist es knapp über Null, riecht aber an einigen Ort intensiv nach Walderde. Von Westen nähert sich eine Warmfront, die am Nachmittag Regen bringen wird.

51   2058

Ein Specht klopft an einen nahen Baum.


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Mo  24 XII 2012   Baarburg   11:00

Es ist sonnig & föhnig warm. Der Himmel überzieht sich zunehmend mit einem dünnen Wolkenschleier, der das Licht etwas blass macht.
Beim Unterstand sitzt eine Frau in einer roten Faserpelzjacke auf einer der beiden Sitzbänke, die umgestellt & neu verankert worden sind.Sie stehen nun nicht mehr nebeneinander, sondern sind je vor eine Baumlücke mit Sicht gegen Zugerberg & Alpen platziert.

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Durch den starken  Regen der letzten Tage sind am Fuss der aufgehäuften Erdberge bei der Deponiesanierung einige schöne Erosionsmuster entstanden.


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Sa  29 XII 2012   Baarburg mit Irena   11:00


Strahlende Sonne, Föhn.
Irena bewundert die Vielfalt an Farnen & Moosen auf der Nagelfluh entlang des schattigen Steilaufstiegs.
Die Stürme der letzten Tage haben viele Äste heruntergerissen & einen toten, halb vermoderten Weisstannenstamm quer auf meine fragilste & im Moment liebste Struktur geworfen.

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Die Buchenstämme beim Unterstand: wie riesige Elefantenbeine. Schimmernd silbergrau. Die Zehen in leuchtendem Moosgrün. (Irena)

Irena zeichnet mein Profil, wie ich der Sonne entgegen zum Alpenhorizont blicke.


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