Mi 9 I 2019 Baarburg 10:00

 

Unten in der Ebene hat der Regen die letzten Schneereste zum Verschwinden gebracht. Auf der Baarburg hat es bis etwa vor einer Stunde noch nass geschneit. Hier oben ist auch der Schnee von letzter Woche nicht geschmolzen & mittlerweile ist die Schneedecke hier an offenen Stellen bis zu 15 cm hoch.

Am Wanderwegweiser beim Waldeingang steht ein Wandergruppe & studiert eine Karte. Kurz darauf kommen mir drei weitere 3er- & 4er-Gruppen entgegen, auch sie mit einer Karte bewaffnet.

Die Tierspuren der letzten Nach sind frisch eingeschneit & nur schlecht identifizierbar. Eindeutig ein Dachs, der hier jede Nacht seine Runde macht. Ein Fuchs hat beim grossen Fuchsbau, der seit Jahren unbewohnt ist, alle drei Eingängen kurz inspiziert & ist weiter gegangen.

Es ist faszinierend & schön, wie der frische Schnee Formen verbirgt, hervorhebt, zeichnet & malt.

Ein Auto der Korporation Baar fährt vorbei.

1   2379

1986 habe ich damit begonnen, heute mache ich den 2379. Strich auf den Balken im Unterstand, setze zu einem neuen Jahr an.

Wie ich im Unterstand sitze & in mein Notizbuch schreibe, kommt ein Mann in einer grell orangen Jacke herbei, schaut sich die Aussicht an & fragt mich, ob ich einen Orientierungslaufposten führe. Ich sei ein gewöhnlich Spaziergänger, antworte ich.

Sa 12 I 2019 Baarburg mit Irena 10:15

In der Nacht hat es nochmals geschneit. Hier oben liegen bis dreissig Zentimeter Schnee. Der steile Aufstieg durch den hohen Schnee ist zudem rutschig, da die nasse Erde darunter nicht gefroren ist.

Es hat viele Tierspuren, die zum Teil noch recht frisch sind. Der Dachs hat wieder seine nächtliche Runde auf dem Pfad am Plateaurand gemacht. Wiederum hat ein Fuchs den grossen verlassenen Bau inspiziert, diesmal allerdings nur bei zwei der drei Eingänge. An einigen Orten haben Rehe Brombeerblätter freigescharrt & gefressen.

Eine Eibe, vielleicht etwa acht Meter hoch, wird durch den Schnee im Hintergrund hervorgehoben & zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Bis vor einigen Jahren stand daneben eine zweite, ähnlich grosse Eibe. Ein weiblicher & ein männlicher Baum – ein schönes Paar. Leider wurde einer der beiden bei einem Sturm von einem umgerissenen grossen Baum geknickt.

2    2380

 

Sa 19 I 2019 Baarburg mit Irena 11:00

 

Es ist einige Grad unter Null. Die Sonne scheint blass durch einen dünnen Wolkenschleier. Der Boden ist hart gefroren, die verbliebene Schneedecke knirscht harsch unter den Füssen.

Es hat viele Tierspuren im Schnee. Manche erzählen kleine Geschichten. Ein Dachs ist längs eines liegenden Baumstamms balanciert & von einem Baumstumpf mit einem 1,5-Meter-Sprung im Schnee gelandet, er hat an vielen Stellen etwas abseits vom Pfad Schnee & Laub aufgescharrt.
Eine Gemse hat sich mit den Vorderläufen auf einen Stumpf aufgestützt, um am untersten Ast einer Eibe Nadeln zu fressen. Gemsen sind wohl wie Rehe immun gegen ihr Gift.

3   2381

Am Wellblechdach des Unterstands hängt eine Reihe von grossen Eiszapfen.

Schnee & Eis zeichnen Ornamente & Bilder auf den Waldboden.

So 27 I 2019 Baarburg 10:45

 

An besonnten Stellen & unter hohen Fichten ist der Schnee weg. Die verbliebene dünne Schneeschicht ist über Nacht gefroren & knirscht unter den Sohlen. Beim Aufstieg beginnt es zu regnen. Oben auf dem Plateau fällt Schnee. Ich durchstosse sozusagen die Schneegrenze. Aber später regnet es auch hier oben. Aber immer nur kurz & nie heftig.

Im Schnee eine stark blutbefleckte Vertiefung. Im Umkreis von einem Meter Blutspritzer. Den Fussspuren nach hat hier eine Krähe eine Maus gefressen.

Eine Gemse hat den Eingang der Geocache-Höhle inspiziert. Ein Fuchs hat einen der drei Eingänge zum verlassenen Fuchsbau aufgescharrt.

Am Rand des dichten Jungwalds im Plateauzentrum hat es frische Hirschspuren.

4   2382

Bis vor zehn Jahren wären Gemsen & Hirsche hier am Rand des Mittellands noch eine Sensation gewesen. Heute ist das schon beinahe selbstverständlich.

An der Innenwand des Unterstands hat jemand unter dem orangen stilisierten Auge mit dem Namen Xiana geschrieben War mal Nutte.

Auf dem Schnee liegt ein Rindenstück mit einem schönen Bouquet von zwei verschiedenen Flechten & einem Moos.

Die Eiszapfen am Wellblechdach des Unterstands sind weggeschmolzen. Aber an schattigen Orten im Nagelfluhfels des Steilhangs hängen sie noch. Am Abend soll es wieder schneien.
Der Frost der letzten Tage hat an der Steilwand ein grosses Stück Nagelfluh weggsprengt. Wie ich etwas näher schauen will, lösen sich über mir einzelne Steine. Es ist gefährlich im Moment.

Mo 4 II 2019 Baarburg 10:30

 

Vorletzte Nacht & gestern den ganzen Tag hat es geschneit. Entsprechend hoch ist der Schnee, gut 30 Zentimeter. Die Temperatur ist knapp unter Null.

Um den Bergsockel herum hat zum Glück schon jemand vorgespurt. Aber hinauf zum Plateau ist seit Samstag niemand mehr gegangen, so dass ich mühsam durch den hohen Schnee hoch stapfen muss.

Im Tal scheint die Sonne, aber das Plateau bleibt in einen Nebelrest gehüllt, der langsam dünner wird.

Manchmal löst sich ein Fuder Schnee von einer Baumkrone & kracht auf den Boden. Aber mit etwas Glück kann ich jeweils ausweichen.

5   2383

Auf dem Rückweg kommt mir eine Schar Kinder entgegen. Eine Kindergartenklasse geniesst den seltenen Schnee.

So 10 II 2019 Baarburg 10:45

Der Regen der letzten Woche & der Föhn, der für die acht Grad Wärme verantwortlich ist, haben die Schneedecke dünn & kompakt werden lassen. Ein eng gewirktes Muster von Nadeln hebt sich markant ab vom weissen Boden.

Auf den Bäumen & Hecken liegt kein Schnee mehr & ihre schwarze Silhouetten akzentuieren die weisse Landschaft um die Baarburg herum markant.

6   2384

Auf allen Seiten des Bergs hat es deutliche Hirschspuren. Ein einzelnes Tier, wohl männlich.

Unter dem Titel „Wie Gold in der Baarburg entdeckt wurde“ ist in der Neuen Luzerner Zeitung ein Text über die sagenhaften Goldfunde auf der Baarburg erschienen (siehe Materialien). Auf der Illustration die dunkle Silhouette der Baarburg im Hintergrund.

 

So 17 II 2019 Baarburg 10:30

Schon bei den (immer noch eingeschneiten) Teichen beim Waldeingang treffe ich Martin Romer. Wir gehen ein Stück zusammen, machmal eigene Wege, dann wieder zusammen.

Er hat wieder mal drei Hirsche gesehen. Ich erzähle ihm von der seit Jahren abgestorbenen Buche mit den auffällig nach oben gebogenen Ästen, (die ich wegen ihrer eigentümlichen Schönheit auch einmal fotografierte), & die bei der letzten Fällaktion völlig unnötigerweise auch gefällt worden ist, obwohl sie abseits von allen Wegen niemanden gefährdete.

An schattigen Orten & offenen Flächen hat es noch Schnee, harsch gefroren von der letzten Frostnacht. Am Nachmittag soll es bis 16 Grad werden. Die noch tief stehende Sonne bringt mit ihrem gelben Licht den Wald zum Leuchten.

Im Schnee vor dem verlassenen Fuchsbau die Spur eines Dachses, der alle drei Höhleneingänge untersucht hat.

7   2385

Am Bergsockel am besonnten Waldstrassenrand der erste Huflattich des Jahres. Für mich jeweils das erste Frühlingszeichen. Mehr als zwei Wochen früher als letztes Jahr — damals war es am 4. März. Aber 2016 war es noch früher, bereits am 7. Februar. Das alles mit einer Unschärfe von bis zu sieben Tagen, da ich nur etwa jede Wochen einmal hier bin.

 

Mo 25 II 2019 Baarburg mit Irena 10:45

Nach einer Frostnacht blauer Himmel & strahlende Sonne. Das ist nun seit Tagen so. Als Folge ist der Laubteppich auf dem Waldboden trocken & raschelt herrlich unter den Füssen.

8 2386

Auf die Bank vor dem Unterstand hat jemand etwas Sesam gestreut.

Der kommende Frühling sammelt die Sonnenkraft auf dem Holz von Baumstämmen und Wurzeln, auf dem falben Blätterteppich. (Irena)

Noch immer hat es einige Schneereste. Einer zeichnet einen belaubten Apfelbaum auf den braunen Winterboden.

Wir finden zwei stark verästelte Mistelzweige, die der Schnee oder ein Sturm von einem Baum gerissen hat. Der eine hat noch grüne Blätter, der andere ist blätterlos, faszinierend mit seinem Farbenspiel vom Dunkelgrün des daumendicken Stamms bis zum Schwefelgelb der äussersten Ästchen. Auf einem dieser schwefelgelben Ästchen sitzt die erste Zecke des Jahres.

 

So 3 III 2019 Baarburg mit Irena 11:00

 

Beim Steilaufstieg hat der Frost einen Nagelfluhblock, einen guten Kubikmeter, aus der Felswand gesprengt. Das geschieht immer wieder in kalten Wintern. So erodiert der Berg nach & nach.

Es hat einige neue Einträge im Geocache-Logbuch:

18.12.18 Harz & Soib
18.12.18 R100
18.12.18 Swissvoli

30.12.18 MCFLURY

1.1.19 SOROTAIUS

24.2.19 Adel

Auf einer der Bänke neben dem Unterstand sitzt ein älteres englisch sprechendes Paar & geniesst die Aussicht gegen den oben noch verschneiten Zugerberg & die Alpen.

9 2387

Mäusebussarde ziehen ihre Runden über den Abhängen der Baarburg und stossen ihre fast kläglich anmutenden Schreie aus. Ein Motocrosstöff lässt seinen Motor brummen und aufheulen, dazu von der Ferne Kirchenglocken: Zivilisationssplitter. Flugzeugs. Ausflügler allenthalben. (Irena)

Der Pestwurz blüht prächtig. Ein weiterer Schritt hin zum Frühling. Hirschzungen leuchten grün. Wir sammeln Bärlauch.

Zufällig bin ich auf einen Zeitungsartikel von 2014 über Höhlen an der Baarburg gestossen (siehe Materialien). Der Höhlenforscher Oliver Knab hat hier ganze sieben Höhlen mit Tiefen zwischen drei & 37 Metern gefunden. Entstanden seien diese am Ende der letzten Eiszeit vor 22’ bis 12’000 Jahren. Mit diesen vielen Höhlen haben die Sagen von Goldfunden zumindest einen realen Kern.

Di 12 III 2019 Baarburg mit Irena 11:45

Blauer Himmel mit aufziehenden Wolken. An schattigen Orten hat es noch einen Hauch Schnee von gestern. Es ist kühl. Der Sturm hat einige Äste heruntergerissen, ist aber bis auf ein kleines Windchen abgeflaut. Das Licht ist frühlingshaft weich.

In den Teichen beim Waldeingang sehen wir Molche, Kröten & Frösche. Am Rand schwimmen einige Laichteppiche. Hell oder dunkel je nach Reifegrad.

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Hie und da strecken die ersten Schösslinge ihre hellgrünen Keimblätter der Sonne entgegen. (Irena)

 

So 17 III 2019 Baarburg mit Irena 10:45

Die Baarburg liegt am Rand eines Föhngebiets mit blauem Himmel & strahlender Sonne. Manchmal zieht sich der Föhn etwas zurück, helle Wolken ziehen auf, der Wind dreht & wird kühler. Gegen Abend soll eine Kaltfront Schnee bringen bis in die Niederungen.

In einem der Teiche schwimmt neben dem Laichteppich ein leerer Hundekotsack. In allen drei Teichen ist das Wasser trüb von aufgewühltem Grund.

11 2389

Jetzt um 12 Uhr gewinnt gerade der Föhn wieder die Oberhand und die Sonne heizt die Bank vor dem Unterstand schön auf. (Irena)

Da das Unterholz noch kahl ist & die Brombeerranken vom Schnee niedergedrückt, kommen die verschiedenen Asthaufen, die man im Holzschlaggebiet aufgeschichtet hat, markant zur Erscheinung. Darunter hat es einige sehr schöne Exemplare. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sie mit der Zeit überwachsen werden, vielleicht von Tieren bewohnt, um schliesslich langsam zu schwinden.