Die Baarburg ist verschneit. Die Sonne scheint aus blauem Himmel, aber es ist einige Grad unter Null und mit einem leichten Wind wirkt es schneidend kalt.
Der Boden ist hart gefroren und und an manchen Orten vereist.
Heute beginnt das vierzigste Jahr meiner regelmässigen Baarburg-Besuche. Und jedes Mal sehe ich etwas Neues, ein Detail, ein Tier, eine Pflanze, ein zufällig entstandenes oder von jemandem gestaltetes Muster, ein Baum in der Ferne, der gerade im richtigen Licht steht.
Die vielen Tierspuren sind alle bereits verwittert, aber man erkennt doch Rehe, Gemsen und Füchse, auch einige Rehlager, wo der Schnee und das Laub weggescharrt sind.
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Nachts hat es geschneit, und weil die Strassen noch schneebedeckt sind, reisen wir mit Bahn und Bus an.
Da der Zugangsweg vom Tal her ganz anders verläuft als vom höher gelegenen Parkplatz aus, von wo wir sonst jeweils den Umgang starten, gibt es auch einige neue Bilder: vom Zielbereich der Schiessanlage, vom schmalen Bachtobel oder von einem Bienenhaus.
Der Schnee liegt hier etwa 15 cm hoch, die Sonne scheint, aber es ist noch recht kalt. Auf den hohen Bäumen beginnt der Schnee bald zu tauen und zu tropfen.
Fussspuren zeigen, dass heute vor uns erst eine einzige Person auf den Berg gestiegen ist. Eine Frau mit Hund, die uns bald entgegen kommt.
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Später begegnen wir dann mehr und mehr Leuten, die den Winterwald geniessen.
Es ist neblig, knapp unter 0 Grad, wirkt mit einer leichten Bise aber kälter. Der Schnee ist zum Teil geschmolzen, die Waldstrasse an schattigen Stellen aber noch gefroren und glitschig.
Etwa 100 Meter vor uns steht als undeutliches Schemen eine Gemse, die uns mustert und sich dann gemächlich entfernt.
Vor einer Woche verlor ich auf der Baarburg meinen Wohnungsschlüssel. Vermutlich riss ich ihn beim Nasenputzen mit dem Taschentuch aus dem Hosensack und er versank im Schnee. Alles Suchen war vergeblich.
Wie wir jetzt zum Unterstand kommen, liegt der Schlüssel vor der Sitzbank auf dem aperen Boden!
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Die Teiche beim Waldeingang sind gefroren.
An einigen schattigen Orten hat es Haareis.
Die Temperatur ist knapp über dem Gefrierpunkt. Mit Hochnebel und etwas Wind ist es auf dem Bergplateau kühl.
Aus dem Bild des Bienenhauses mit Schweizerfahne, das ich vor 14 Tagen fotografiert habe, ist ein bereits ein Zeitdokument geworden. An seinem Standort steht nun ein kleiner Bagger, bis auf einige Mauerreste ist alles weggeräumt. Der Fahnenmast mit der Schweizerflagge liegt am Boden.
Eine Frau mit zwei kleinen Hunden, der wir beim Aufstieg begegnen, erzählt, dass sie weiter oben Gemsen gesehen hat.
Bei einem Wegweiser ist neu ein Metallschild angebracht, welches das Velofahren nur auf Waldstrassen und offiziellen Bike-Routen erlaubt. Mit dem kürzlich vom Kantonsrat beschlossenen Gesetz ist der Kanton Zug strenger als der Rest der Schweiz. Ob diese Regelung eingehalten wird, wird sich zeigen.
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Am Stamm einer Fichte ist der Nistkasten Nr. 47 des Zuger Vogelschutzes angebracht.
Auf einem kleinen Tümpel, der sich aus Schmelzwasser gebildet hat, wächst bereits sattgrüner Ehrenpreis. Einer Pionierpflanze, die feuchte Standorte oft als erstes bewächst und den Weg bereitet für andere Pflanzen.
Nach einer Frostnacht ist es kalt, aber oben auf dem Berg scheint die Sonne, während über der tiefer liegenden Landschaft noch Wolkenfetzen liegen.
An den Zweigen und Ästen hängen Girlanden von gefrorenen Tropfen. In den Baumkronen bringt die Sonne die Tropfen zum Schmelzen und sie prasseln auf den frostharten Boden.
Das Licht bringt einen Hauch von Frühling in den Wald.
Die Hirschzungen haben den Frost gut überstanden und sie leuchten sattgrün auf dem winterfahlen Boden.
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Auf den Teichen beim Waldeingang liegt noch eine milchige Eisdecke.
Es ist neblig und kalt. Der Nebel verbirgt Vieles und hebt Anderes heraus, das sonst mit dem Hintergrund verschwimmt.
Buchenblätter zeichnen ein schönes Muster auf den gefrorenen Teich.
Ein Dachs hat vielerorts den Boden aufgescharrt und Löcher gegraben.
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Die ersten Knospen des Huflattichs sind kurz davor, sich zu öffnen. Letztes Jahr sahen wir die ersten Huflattichblüten am 9. Februar. Vor elf Jahren, 2015, blühte hier der erste Huflattich erst am 8. März! Der Frühling steht vor der Tür.
Unter einem abgestorbenen Baum sehen die Rückseiten von abgefallenen Rindenfragmenten aus wie kunstvolle Holzmosaike.