Oliver Knab sucht und erforscht die Höhlen im Kanton. Dabei vertraut der Zürcher auch auf alte Sagen.

Silvan Meier 23.3.2014, 11:50 Uhr. Liegend robben wir durch den schmalen Durchgang. Es ist kühl, dunkel und ziemlich eng. Rundherum krabbeln Weberknechte über die Wände, in einer Spalte lauert eine Höhlenspinne auf Beute. Und sogar hier – rund 30 Meter tief in der Erde – liegt Abfall herum. Das Herdmandliloch in der Baarburg ist eine Welt für sich. Eine Welt, in der sich Oliver Knab zu Hause fühlt. 1979 hat er die sagenumwobene Höhle, an deren Wänden geheimnisvolle, bis heute unentzifferte Schriftzeichen langsam verwittern, erstmals untersucht und ausgemessen. Systematisch hat er die gesamte Baarburg nach Höhlen durchforscht – und ist mehrfach fündig geworden. Nur rund zehn Meter vom Herdmandliloch entfernt befindet sich der Eingang zur Winkelhöhle.

Oliver Knab, hier im Herdmandliloch am Hang der Baarburg, hat fast alle Zuger Höhlen ausgemessen und kartografiert. (Bild Werner Schelbert)

Unweit geben auch die Baarburghöhle, die Höhle im Sod, das Schwarzloch, das Flueloch oder die Rappenlochhöhle einen Einblick in die Baarer Unterwelt. Einige sind nur drei Meter tief, das Herdmandliloch ist mit 37 Meter die längste.

 

Immer auf der Suche

Oliver Knab kennt aber nicht nur die Höhlen in der Baarburg. Der Zürcher hat praktisch alle Höhlen im Kanton ausgemessen. Der gelernte Hochbauzeichner war schon immer fasziniert von der Unterwelt. 3036 Höhlen hat er in seinem Leben schon besucht. Doch was macht die Faszination aus? «Eine Höhle vermittelt Schutz und Geborgenheit», erklärt der 53-Jährige. «Ich fühle mich wohl, wenn ich von der Umwelt abgeschottet bin.» Mindestens dreimal im Monat ist er in der Unterwelt unterwegs. Immer auf der Suche nach einer neuen Höhle. «Die letzte habe ich vor gut einer Woche entdeckt», sagt er. Beim Sihlsprung in Menzingen hat er ein Wasserloch ausgemessen. Danach sei er noch etwas flussauf- und -abwärts spaziert und sei auf dem Gemeindegebiet von Hirzel auf eine Unterwasserhöhle gestossen.

Die Legende von den Herdmandli

Ein Zufallsfund? Knab verneint. Ein Laie würde kaum eine Höhle finden. Er achte auf Gesteinsformationen und wisse genau, wo sich Höhlen hätten bilden können. Bei der Suche greift er aber auch auf Sagen und Legenden zurück. Dort sei viel von Höhlen die Rede. «Und immer steckt ein Körnchen Wahrheit darin.» Auch die Höhlen in der Baarburg haben ihre Geschichten. Im Herdmandliloch sollen früher hilfsbereite Zwerge, Herdmandli genannt, gehaust haben. Auch die Höhle im Sod am Nordhang der Baarburg hat Eingang in eine Sage gefunden. Dort soll gemäss Legende eine Heilquelle entsprungen sein.

 

Unter Wasser

Oliver Knab ist aber nicht nur unter der Erde, sondern auch unter Wasser in seinem Element. 1476 Tauchgänge hat er in seinem Leben schon unternommen – immer auf der Suche nach Höhlen. Auch im Zugersee ist er schon fündig geworden. In Lothenbach bei Walchwil beispielsweise oder auf der anderen Seeseite im Strick auf Arther Gemeindegebiet.

Abgeschlossen ist seine Arbeit im Kanton Zug zwar noch nicht. Noch sind nicht ganz alle kleinen Höhlen ausgemessen und kartografiert. Grosse Entdeckungen erwartet Oliver Knab aber keine mehr. «Denn in Zug gibt es praktisch keinen Kalkstein», erklärt er. «Die meisten Höhlen sind hier im Konglomerat zu finden.» Will heissen: im Schotter, der in der Frühwürmeiszeit von Gletschern herantransportiert und zu Nagelfluh zementiert wurde. Vermutet wird, dass insbesondere die Höhlen in der Baarburg und jene im Josefsgütsch in der Zeit vor rund 22 000 bis 12 000 Jahren entstanden sind. Damals haben sich die Gletscher zurückgezogen und könnten die Höhlen herausmodelliert haben. Das würde auch erklären, weshalb sich mehrere Höhlen auf ungefähr derselben Höhenlage befinden.
Eine dieser Höhlen ist auch das Herdmandliloch. Langsam kriechen wir wieder aus dem engen Gang heraus und werfen einen letzten Blick auf die Nagelfluhwände, auf die Weberknechte und auf die geheimnisvollen Schriftzeichen. Wir blinzeln in die Sonne und verlassen die sagenumwobene Unterwelt – die nun auch wieder vom Abfall befreit ist.

Heute ist in der Zentralschweiz vor allem das Napfgebiet für Goldwäscher interessant. Früher suchten «Golder» auch am Baarer Hausberg und in der Reuss nach dem Edelmetall. Einige Ortsnamen zeugen bis heute davon.

thumb g.stefaniEin Wanderer sucht und hinterlässt Spuren

BAAR – Guido Stefani ist über 2000 Mal auf die Baarburg gewandert. Der markante Hügel birgt für ihn noch immer viele Geheimnisse.
Die unverkennbare Form des Bergs, sie hat Guido Stefani von Beginn an fasziniert. Von einer früheren Wohnung im Weiler Hirzwangen in Ebertswil hatte er beste Sicht auf das markante Plateau der Baarburg. 1986 ist er das erste Mal auf das Baarer Wahrzeichen hinaufgewandert. Seither hat er dieselbe Route sehr oft absolviert, am Mittwochmorgen zum 2050. Mal.

Ein sagenhafter Berg - Die Baarburg und ihre Geheimnisse

Zu jeder Jahreszeit ist sie schön anzuschauen. Unübersehbar als imposantes und dominierendes Wahrzeichen prägt sie unser Landschaftsbild. Die schönste Seite bietet sich dem Betrachter von Süden her. Von Nordosten aus verschwindet sie mit der Albiskette im Hintergrund. Die Rede ist von unserem Hausberg, der Baarburg. Im Frühjahr, wenn die Bäume sich mit ihren Blättern in allen Grünt.nen zu kleiden beginnen erscheint die Baarburg wie ein knackig frischer Apfel. Im Herbst, wenn die Bäume ihr Kleid abermals wechseln, glänzt sie in rot-goldenen Farben, als wäre sie mit Goldstaub bepudert worden. Und nur in dieser Jahreszeit, so scheint es, gibt sie etwas von ihrer mystischen Seite preis.

Im Oktober 1986 stürzte ein kleines Flugzeug auf die Baarburg. Der tragische Unfall beschäftigte mich damals während mehreren Umgängen. - Hier finden Sie die Unfallberichte der Zuger Polizei und der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission zu diesem Ereignis.

In ihrem Buch «Zuger Sage - Sage, Legände und Gschichte us em Kanton Zug» (Verlag Victor Hotz, Steinhauses, 2012) erzählt die Autorin Maria Greco in Zuger Mundart drei Sagen, die auf der Baarburg spielen:

Zwei Zuger Schülerinnen haben im Unterricht eine Sage über die Baarburg geschrieben.